Vom kahlen Berg zur bekannten Burg

SONDERBERICHT 170 Jahre Paschenburg: Am 19. August Geburtstagsfest mit buntem Programm
Dienstag, 24 Juli, 2012
erschienen in: 
Schaumburger Zeitung

Schaumburg

(jaj) Vor ziemlich genau 170 Jahren begann der Förster Karl Kayser, der selbst in Deckbergen lebte, hoch oben über den Dächern der Schaumburg mit dem Bau der Paschenburg. So ist es in den „Erinnerungen an die Paschenburg“ zu lesen, die E. Greverus bereits im Jahr 1852 veröffentlichte.

Schon Jahre vorher habe Kayser demnach den Standort der heutigen Paschenburg für sich entdeckt und sei sogleich fasziniert von ihm gewesen. Er begann, den ursprünglich kahlen Berghang zu bepflanzen und errichtete zunächst einen Herd, um Kaffee für die Besucher kochen zu können, und wenig später sogar einen Aussichtsturm. Als das Interesse der Fremden an dem Platz wuchs, kam ein „Obdach gegen schlechtes Wetter“ hinzu, das heute nicht mehr vorhanden ist. Zudem errichtete er einen Saal „mit Küche und Kammern“ und ein Stallgebäude, das noch heute als Remise des Steinmetzes erhalten ist. Zu dieser Zeit begann Kaysers Frau auch, die Sommermonate mit einer Dienerschaft oben auf dem Berg zu verbringen. Die Grundlage für eine Gastwirtschaft war damit geschaffen.

Bereits 1827 hatte Kayser sich das Grundstück bei der Kurfürstlichen Finanzkammer zu Kassel gesichert, denn schon damals hegte er den Traum eines herrschaftlichen Hauses. Bis es so weit sein sollte, gingen aber noch einige Jahre ins Land. Erst viele Jahre später, im Herbst 1842, begann er schließlich mit dem Bau „des dreistöckigen, schlossartigen Wohnhauses“, wie es Greverus beschreibt. Ohne Hilfe eines Baumeisters habe er das Gebäude errichtet, bei dem es sich nach Angaben des heutigen Pächters Jörn-Eike Rendigs um ein Lehmgebäude mit Fachwerk-Kern handelt. Die von außen sichtbaren Steine dienen lediglich der Zierde.

Doch wenn die Paschenburg gar keine fürstliche Burg ist, sondern die Erfüllung eines Lebenstraums eines Försters, wie kam sie dann zu ihrem Namen? Mit dieser Frage hat sich der Schaumburger Ulrich Kipp beschäftigt. Er stieß in dem 1891 veröffentlichten Büchlein „Hans Sumenicht der Schildknecht“ auf die Worte „Paschenfeuer neben dem Männekenloch“. Bei weiteren Recherchen entdeckte er dann, dass auch Dr. Franz Carl Theodor Piderit in einem 1831 veröffentlichten Buch von „Paschenfeuern“ spricht. Auch der Ausdruck „Paschenburg“ komme bei Piderit vor. Er beschreibe damit einen Felsen und eine Felswand in der Höhe, von dem aus die Flammen weit ins Land leuchten. Der Ursprung des Wortes „Pasche“ ist dabei nach Kipps Auffassung in dem Wort „Ostern“ zu suchen. In Norddeutschland wurde dieses Fest auch als „Paschen“ bezeichnet. „Pasche“ sei zudem die kirchenlateinische Übersetzung für „Ostern“. Piderit führe zudem aus, dass es mehrere begriffliche „Paschenburgen“ als Hügel gebe, auf denen zu Ostern die Paschenfeuer entzündet wurden.

Das Jubiläum soll am Sonntag, 19. August, ab 12 Uhr mit einem Fest rund um die Paschenburg gefeiert werden. Es wird eine kleine Ausstellung mit Bildern und Texten zur Paschenburg geben, zudem zeigt die Künstlerin Petra von Langsdorff die Schaumburg-Sage in Bildern. Wer etwas in der Natur erleben möchte, kann auf „Brennhilds Wildpflanzen-Pfad“ wandeln und dabei sogar kleine Preise gewinnen, oder eine Führung durch die Wiese mit der Diplom-Sozialwissenschaftlerin Birgit Brinkmann unternehmen. Um 15 Uhr wird Nané Lenard ihr Buch „Schattenhaut“ präsentieren, das teilweise auf der Paschenburg spielt.

Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt: Die Küche der Paschenburg bietet heimische Gerichte wie „Boddermelksanballerße“ oder „Rintelner Apfelpudding“ und andere Spezialitäten an. Zudem gibt es Kaffee und Kuchen.

Foto: privat
Diese Lithographie, die um das Jahr 1825 herum entstanden ist, zeigt, dass an dem heutigen Standort der Paschenburg einst eine kahle Felswand gewesen ist.